Wie lange dieser Mann schon den Bass anschlägt! Und es ist nach wie vor arg aufregend – Hellmut Hattler wirkt dabei tatsächlich noch so jung und frisch, als hätte er das Spielen gerade für sich entdeckt. Dabei ist er ein Veteran einer ganzen Reihe von Musikmoden, sei es mit den legendären Jazzfunkern Kraan, den Deutsch-Rockern Fehlfarben oder aber eben seit gut einer Dekade Tab Two – sein unverkennbares Bass Spiel war und ist ganz vorne dabei. Zur Zeit muss er auf seinen Gegenpart Joo Kraus verzichten und wandelt diesen Umstand zu seinem Vorteil. Raus aus dem elektronischen Duo, rein in eine Band, die zwar auch nicht auf die Vorteile elektronischer Klangerzeugung verzichten will, aber mit Schlagzeug und Trompete sowie zwei zwar sehr unterschiedlichen, jedoch sich wunderbar ergänzenden Sängerinnen aufwarten kann. Daraus entstehen gute zwei Stunden spannende und mithin mitreißende Musik, die mit vielen Zitaten vom Jazzfunk bis zur Popmusik ein unglaubliches Spektrum offenbart. Publikum wie Band zeigen erkennbar Spaß an diesen Breitseiten brillanter Töne, nur ein paar im Raum verlorene Kraan-Fans hatten wohl nicht so viel Freude an Hattlers Parforce-Ritt durch die Stilwandlungen des HipJazz. Wenn diese Musik Hattlers Bilanz seines musikalischen Schaffens ist, dann fällt sie börsenreif aus.


