Der normale Bossa Nova sei ihr zu kitschig, sagt Bebel Gilberto. Und das muß sie auch, denn bei den Verwandten (Papa ist zum Beispiel der legendäre Joâo Gilberto), heißt es sich absetzen, etwas Eigenes entwickeln. Doch so ganz neu ist ihr „Neo Bossa“ nun auch wieder nicht - zumindest live im Gig ist das Besondere an ihren Brasil-Klängen nicht wirklich deutlich. Rotiert ihr erster Silberling „tanto tempo“ im heimischen CD-Spieler, wird verständlich, was sie und ihre Produzenten versuchen - einen modernen, Club tauglichen Sound zu produzieren, der auch extravagante Elektroniktöne verträgt. An diesem Abend lässt sich das gerade mal erahnen. Sehr traditionell spielt das Quartett mit der reizend zauderlichen, zierlichen aber auch etwas zickigen Bebel Gilberto, weiß um die Macht wohlgefälliger Tonteppiche und funkiger Einschläge. Da macht das Publikum im Saal des Lindener Ladens auch voll mit und fällt dann doch gelangweilt, weil augenscheinlich überfordert zurück, wenn es einmal wirklich latent lasziv und sehr sehr reduziert brasilianisch-jazzig zugeht. Die international besetzte Combo (von Japan bis Argentinien) erkennt das aber schnell und wechselt wieder in den schnellen Pop-Gang, Bebel Gilberto setzt ein knappes Lächeln auf und improvisiert ein bisschen über die swingenden Takte, schon geht ringsum in den Gesichtern wieder das Licht an und die Laune hoch. Da sind denn doch eine Menge der Fans sehr enttäuscht, dass es nur eine Zugabe nach knappen 70 Minuten Konzert gab. Doch Fräulein Gilberto läßt sich partout nicht erweichen. Ein wenig zickig ist sie eben doch.Wie es sich für eine richtige Bossa-Diva gehört. Soviel stilvolle Musik sollte es mehr geben.


