Drei gestandene Herren gestalten einen bunten Abend, mit 230 Jahren geballter Kompetenz in Sachen swingender Melodien – und der gut gefüllte Kuppelsaal schäumt dazu ganz fein und mit etwas gebremsten Schaum. Klar, wenn die Herren Greger, Strasser und Kuhn zum Swingen rufen, dann kommen sie gerne, die hannoverschen Fans des Bigband-Sounds, aber der ganz grosse Überschwang, nun, der stellt sich da nicht mehr ein. Macht auch nichts, denn der Spaß aller Beteiligten ist offensichtlich.
Max Greger (76) erzählt ein paar launige Geschichten und schnippt begeistert mit den Fingern, knickt kurz in die Knie, wenn wieder mal ein toller Ton eines Count Basie-Stücks der alles begleitenden SWR Bigband gelingt. Die Zahl der angespielten Komponisten ist eh Legende, sei es Cole Porter, Ray Connif, Tommy Dorsey oder halt besagter Basie – eben "Swinglegenden", dem Motto dieses Festabends für Liebhaber des tosenden Blechs. Hugo Strasser (80) muss dann mit seiner Klarinette ran, wirkt manchmal einen Tick kurzatmig und erzählt zwischendurch ein Späßchen aus den frühen siebziger Jahren. Macht alles nichts, passt schon und wird wohlwollend vom Publikum goutiert. Diese Herren sind halt alt, aber reif und bestimmt nicht faul(ig).
Was dann für den auf die Bühne stürmenden coolen Crooner Paul Kuhn (74) als Dritten im Bunde allemal gilt. Der Einzige, der wirklich im modernen Sinn "cool" ist, der nicht nur kultig daher kommt, sondern mit prägnanter Präsenz ein paar Textzeilen aus dem Ärmel schüttelt und damit locker an alte Casino-Brat-Pack-Typen à la Sinatra, Sammy Davis oder Dean Martin erinnert. Es lässt sich erahnen, dass er am liebsten noch mit Zigarette und Whiskey-Glass ein wenig länger bleiben würde, obendrauf zwei, drei seiner leicht schlüpfrigen Witzchen erzählen, um dann irgendwann am Klavier mit ein paar ruhigen Klassikern den Abend zu beschliessen.
Aber es sind nunmal die Swinglegenden angesagt, die wirklich hervorragende SWR Band mit ihren guten Solisten muss noch ein paar Mal in die Vollen gehen – und Greger darf zum wiederholten Mal die vielen Fernseh-abende und Galas im Kuppelsaal beschwören, die er und die anderen drei swingenden Herren hier schon absolviert haben. Die drunterliegende Botschaft ist schon klar: Legenden sterben nicht – und nächstes Jahr dann wieder selbe Stelle, selbe Welle.


