Außer den eingefleischten Jazz-Fans hat den ursprünglich angekündigten Archie Shepp an diesem Abend eigentlich niemand vermisst. Denn was Jean-Paul Bourelly, Sohn haitianischer US-Einwanderer, da an erstklassigem schwarzen Gefrickel auf die Bühne im Pavillon brachte, hatte echte Klasse. Zu bedenken ist, dass diese Band gerade fünf Tage vor dem Auftritt zusammengewürfelt wurde, der Konzertabend ohne Sound-Check starten musste und doch von enormer Präsenz und Qualität geprägt war. Mit geradezu hypnotischer Dichte rollen die Töne von den Saiten Bourellys, werden auf der Gegenseite von Basswunder B.B. Hammond aufgefangen und brillant zurückgespielt. Oberliga Schlagzeuger David Haynes macht dazu einen festen, dichten Drum-Teppich, der Gerüst und Antrieb zugleich ist. Die aktuelle afrikanische Note wird durch Abdourahmon Diop geliefert, der mit hohem, durchdringenden Sing-Sang den tiefschwarzen Jazz-Noten den ganz speziellen I-Punkt verpasst. Bourelly selbst, der diese Afrika-Connection ins Spiel brachte, ist aber erkennbar ein Blues- und Funk beeinflußter Jazzer , dem eine gewisse Psychedelic nicht abgeht, was ihm immer wieder den Vergleich mit Jimi Hendrix einbringt aber im Grunde nicht stimmig ist. Bourelly hat einen erkennbar eigenen Stil, kann neben reizend-nörgeligen Saitentönen auch wunderbar knödelige Stimmband Einwürfe produzieren und entlässt damit ein exzellent unterhaltenes Publikum ins Wochenende. Nur die reinen Jazz Experten hatten zu nörgeln. Aber die sind auch nie zufrieden.


