Den einen wichtigen Song macht er gleich zu Anfang: "Eigentlich wollte ich nie nach Hannover". Doch Bernd Begemann, der Bad Salzuflen geborener Hamburger Entertainer, kommt immer wieder. Diesmal gar drei Tage am Stück – und jedes Mal ist die Warenannahme im Lindener Faust voll mit Menschen, die die Qualitäten dieses schrägen Charmeurs mit Wonne zu schätzen wissen. Begemann ist so einer, der mit unfertigem Pop, schmalzigen Liebesliedern ohne Pathos und dem Gefühl für puren Schlagerperfektionismus einen langen Abend füllen kann, ohne dass auch nur die Spur von Langeweile auftaucht. Das macht die Atmosphäre, das ständige Brechen der Stücke mit schrullig-schönen Kommentaren und Zwischentexten, verbunden mit reduziert-runden Sounds in guter Tradition anglo-amerikanischer Singer-Songwriter. Sein Röntgenblick auf die Eigentümlichkeiten des Lebens (meist Liebesleben) und seine fast schon Minihörspiele offenbaren den präzisen Beobachter, der viel Persönliches verrät. Doch gerade das macht Begemann stark. Der beste nicht-berühmte Künstler Deutschlands? Kein "Vielleicht", sondern ein "Bestimmt".


