Zur Nationalhymne sollten alle aufstehen. Eine Übung, der Deutsche meist nur zögerlich nachkommen – doch an diesem Abend im Lindener Gig war das überhaupt kein Problem. Sondern schlicht die zweite Zugabe eines herausragenden Abends unter dem Motto "Classic Meets Cuba" und einfach nötig, damit getanzt werden konnte. Ja wirklich, getanzt! Ein weiteres brillantes Arrangement der Klazz Brothers, einem Trio Dresdner Philharmoniker, die sich der massiven Unterstützung von zwei kubanischen Meister-Percussionisten versichert haben und damit eine furiose Klassikbearbeitung initiierten, die ihres Gleichen sucht. Impulsive, rhythmische Vielfalt trifft so auf meist angejazzte Altmeister, egal ob Beethoven, Bach oder Schubert und Chopin. Das macht Spaß, erlaubt neue und ungewohnte Hörerlebnisse – und tatsächlich mitreissende Neuinterpretationen, die durch die kubanische Conga-Kanonen und die allgemeine Fröhlichkeit der Protagonisten noch um ein Vielfaches gesteigert wird.
Das Schöne ist, auch der klassisch nicht so beschlagene Hörer kennt die meisten Melodien, fühlt sich in sicheren Händen und animiert, diesem Feuerwerk an klassisch-kubanischer Kraft und Vitalität zu folgen, ohne sich der Vorlage allzu sehr nähern zu müssen. Und, es fällt besonders leicht, da alles auf technisch hohem Niveau daher kommt und keinerlei Abstriche im Hörvergnügen erlaubt. Das angekündigte neue Projekt der Klazz Brothers – "Jazz Meets Cuba" – etablierte sich bereits lebhaft an vielen Stellen der zwei langen Sets und weist auf noch mehr Spaß zwischen etablierter, "ernster" Musik und den maßlos entspannten Tönen der Kubaner Killer-Percussionisten hin. Allerdings auch eine Unterscheidung (zwischen U- und E-Musik), die vor allem im deutschen Sprachraum gerne gepflegt wird, aber – wie dieser Abend auf eleganteste Weise zeigt – höchst unnütz ist. Den nächsten "...Meets Cuba"-Abend nicht verpassen und bedenken: Crossover gibt es nicht nur in der Pop- und Rockmusik. Bei den Klazz Brothers gibt es den in klassischer Reinkultur.


